Die FPÖ hetzt Menschen gegeneinander auf, die SPÖ schaut dabei zu und die ÖVP ist sich nicht einig. So müsste man resümieren, wollte man Außenstehenden über den Informationsabend zum geplanten Drogenberatungszentrum TaBeNo (Tageszentrum, Betreuung, Notschlafstelle) am Wiedner Gürtel berichten.
VertreterInnen des Sozialprojektes, SozialarbeiterInnen, Kriminalbeamte, ÄrztInnen, AnrainerInnen und Interessierte diskutierten im Amtshaus über Hintergründe, Vorhaben, Vor- und Nachteile des Projektes TaBeNo. Beratung für drogenkranke Menschen, medizinische Betreuung und 26 Notschlafplätze sollen bis Ende 2011 als Provisorium am Wiedner Gürtel 16 angeboten werden. Danach ist ein Umzug von TaBeNo in die Gumpendorfer Straße vorgesehen, so der Geschäftsführer des Projektes, dessen Vorteile auf der Hand liegen und das wir Grüne sehr begrüßen.
- Man erreicht suchtkranke Menschen und diese wiederum erreichen aufgrund der Niederschwelligkeit die Einrichtung gezielt.
- Das beruhigt den öffentlichen Raum, eine Tatsache, die auch die AnrainerInnen des Ganslwirtes (eine ähnliche Einrichtung im 6. Bezirk) sehr schätzen.
- Durch ärztliche Begleitung suchtkranker Menschen können notwendige Maßnahmen für eine oft erfolgreiche Therapie eingeleitet werden.
- Eine erfolgte Reintegration in den (Arbeits)alltag hat auch volkswirtschaftlich gesehen positive Auswirkungen. In diesem Zusammenhang hat man bereits mit dem Ganslwirt im 6. Bezirk ausgezeichnete Erfahrungen gemacht.
Einzig die Vorgehensweise des ansonsten absolut notwendigen Projektes ist fragwürdig. Auch wir Grüne kritisieren die unsensible Einstellung der Bezirksvorsteherin Susanne Reichard, die es nicht für wert befand, in der Causa TaBeNo die Bevölkerung früher einzubinden. Und das obwohl sie laut Angaben des Drogenkoordinators der Stadt Wien seit Jänner 2010 Bescheid wusste. Eine frühere Aufklärungsarbeit als wenige Tage vor dem Projektstart wäre gegenüber den AnrainerInnen nur fair gewesen. Wieso also dieses Verhalten seitens der Bezirksvorsteherin bei einem so heiklen Thema? Mit einem Aufschrei der FPÖ war ohnehin zu rechnen und die späte Information der Bevölkerung Munition für die Freiheitlichen und ihre AnhängerInnen, die es sich nicht nehmen ließen, am Mittwoch massiv gegen TaBeNo Stimmung zu machen. Erschreckend dabei, wie an besagtem Abend über kranke Menschen gesprochen wurde. Die meisten Wortmeldungen kamen allerdings nicht von besorgten BürgerInnen, sondern von ÖVP und FPÖ. Skurril ist es, dass es die FPÖ war, die in jüngster Vergangenheit immer wieder den Ausbau von Therapieplätzen für Suchtkranke forderte. Nicht skurril, sondern zum „fremdschämen“ ist es, dass scheinbar kein Sprechen über Drogenkranke möglich ist, ohne diese zu kriminalisieren oder zu diskreditieren. „Die Junkies sind selbst schuld.“ „Wir haben sie ja nicht gezwungen Drogen zu nehmen.“ „Die haben sich selbst in diese Situation gebracht, wir nicht.“ Und erst diese Woche sprach Johann Gudenus in der aktuellen Stunde im Gemeinderat von „einem Anschlag der SPÖ auf die Sicherheit der Bürger im 4. Bezirk.“
Aber auch die ÖVP, hier insbesondere die Bezirksvorsteherin Susanne Reichard, hat Mühe, Sätze zu bilden, ohne darin das Wort „Polizei“ zu verwenden. Kein Wunder also, dass auch die Polizei am Mittwoch eingeladen war. Fazit des Berichts der Kriminalbeamten: Keine nennenswerten Delikte beim Ganslwirt, sehr wenige Anzeigen (nur 16 im Jahr 2009) und keine Kinder, die sich an Spritzen verletzt haben, welche wiederum vermehrt in Parks als in Ganslwirtnähe zu finden sind. So lautete der Tatsachenbericht der Polizei, sehr zum Leidwesen der ProjektgegnerInnen. Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, doch manche wollen sie nicht hören. Positive Meldungen zu TaBeNo wurden aus den FPÖ und ÖVP-Reihen mit Kommentaren wie „grüner Gutmensch“ begleitet. Naja, lieber ein Gutmensch als sein Gegenteil!
Doch weil man als Gutmensch die Hoffnung nicht aufgibt, dass manches irgendwann doch noch bei den politischen KontrahentInnen ankommt, sei auf Barbara Neuroths Statement verwiesen. Sie betonte eindringlich die positiven Erfahrungen der Bevölkerung mit dem Ganslwirt im 6. Bezirk und warnte vor einer rhetorischen Kriminalisierung von kranken Menschen.